Håkon Kornstad verbindet Saxophonspiel und klassischen Gesang zu einer gleichberechtigten musikalischen Sprache. Sein Instrument wird dabei zur Stimme: Er arbeitet mit Überblasungen, Klappengeräuschen und stark vokal geprägten Klangfarben, die sich bis an die Grenze zur menschlichen Stimme annähern. Später ergänzte er seine Praxis bewusst um den Gesang, den er ab 2009 studierte und 2014 mit einem Master an der Norwegischen Opernakademie abschloss.
Als klassischer Tenor mit nordischem Timbre steht er heute einem Saxophonspiel gegenüber, das konsequent die klanglichen und expressiven Grenzen des Instruments auslotet. Beides folgt dem Ziel, musikalisch ins Innere des Ausdrucks vorzudringen.
Der Auftritt in der Bleckkirche Gelsenkirchen verstärkt diesen Ansatz: Ein historischer Raum, der seit Jahrhunderten Stille und Klang aufnimmt, trifft hier auf einen Musiker, der genau diese Tiefe auslotet.
Dieses Saxophon ist eine Stimme. Es hat vor allem viel zu sagen in seinen klanglichen Randbereichen — in Überblasungen, im Rhythmus der Klappengeräusche, ganz nah an der menschlichen Stimme. Und dann setzt Håkon Kornstad tatsächlich seine Stimme ein, denn den Gesang hat er erst später entdeckt. Im Jahr 2009, als er längst einer der profiliertesten Saxophonisten Norwegens war und mehrfach für den Spellemannprisen nominiert, begann er klassischen Gesang zu studieren. 2014 schloss er einen Master an der Norwegischen Opernakademie ab. Seitdem stehen ein klassischer Tenor mit nordischem Timbre und ein Saxophonspiel, das die Grenzen des Instruments permanent auslotet, gleichberechtigt nebeneinander. Alles ist dem einen Ziel verpflichtet — zum Innersten dessen vorzudringen, was Musik zu sagen hat.
Solo bedeutet bei Kornstad: Saxophon, Flöte, Flutonette, Stimme und Live-Looping. Der Guardian schrieb, er habe etwas, das ein Zirkusakt hätte werden können, in eine musikalische Tour de Force verwandelt. Dass er damit nun in der Bleckkirche spielt — der ältesten Kirche Gelsenkirchens, erbaut 1735, mit dem Renaissance-Altar von 1574 — ist mehr als eine schöne Idee. Hier trifft ein Raum, der schon Jahrhunderte lang zuhört, auf einen Musiker, der nichts anderes will.
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